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Reform des EU-Emissionshandels: Frankreich plädiert für Status quo in der Luftfahrt

Reform des EU-Emissionshandels: Frankreich plädiert für Status quo in der Luftfahrt
· id-entidad Redaktion

Frankreich agiert hinter den Kulissen, um jede Ausweitung des CO₂-Besteuerungssystems auf den Luftverkehr zu blockieren. Laut Dokumenten, über die « Le Monde » verfügt, versucht Paris, möglichst viele Mitgliedstaaten für seine Ablehnungsposition zu gewinnen, bevor Mitte Juli ein Reformvorschlag für den europäischen Emissionshandel (ETS, Emissions Trading System) vorgelegt wird.

Diese diplomatische Offensive kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Europäische Kommission wird in den kommenden Wochen ihre Überarbeitung des Emissionszertifikatehandels vorstellen, einer Säule der Klimastrategie des Kontinents. Der Luftfahrtsektor, der derzeit von kostenlosen Zertifikaten profitiert und vom CO₂-Kompensationssystem für internationale Flüge ausgenommen ist, stellt einen der heikelsten Aspekte dieses Dossiers dar. Die französische Position zielt darauf ab, diesen Wettbewerbsvorteil gegenüber außereuropäischen Fluggesellschaften zu wahren.

Das Timing dieser Mobilisierung ist kein Zufall. Die Verhandlungen über Fit for 55, das Gesetzespaket zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis 2030, haben bereits die Brüche innerhalb der Union aufgezeigt. Die südeuropäischen Staaten, stark vom Tourismus abhängig, teilen im Allgemeinen die französischen Bedenken. Im Gegensatz dazu drängen die nordischen Länder und die Niederlande auf eine ehrgeizigere Einbindung der Luftfahrt in den Emissionshandel, auch durch eine Besteuerung der Kraftstoffe – die heute durch Jahrzehnte alte internationale Verträge von der Abgabe befreit sind.

An den Märkten spiegelt dieser französische Widerstand eine strukturelle Spannung zwischen Klimazielen und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit wider. Die börsennotierten europäischen Fluggesellschaften – Air France-KLM, Lufthansa, IAG – haben in den letzten Jahren unter regulatorischen Unsicherheiten gelitten. Der Sektor weist eine signifikante regulatorische Risikoprämie auf, mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen unter denen amerikanischer oder Golf-Transporteure. Der Erhalt des Status quo, sollte ihn Paris durchsetzen, würde diese Emittenten kurzfristig entlasten, könnte aber auch Investitionen in nachhaltige Kraftstoffe (SAF) verzögern, die für die Dekarbonisierung des Sektors als unverzichtbar gelten.

Bei den Investoren belastet die Frage der sektoralen ETS-Einbindung die ESG-Strategien. Nachhaltige Fonds, die laut Daten der französischen Finanzmarktaufsicht AMF (Autorité des Marchés Financiers) mittlerweile über 40 Prozent der verwalteten Vermögen in Europa ausmachen, wenden Ausschlusskriterien oder sektorale Über- bzw. Untergewichtungen entsprechend der Transitionstrajektorien an. Eine nachsichtige Klimaregulierung für die Luftfahrt könnte dem Sektor paradoxerweise schaden, indem sie ihn für ESG-Indizes und Portfolios nach Artikel 8 oder 9 der SFDR weniger geeignet macht. Die Banque de France und die ACPR (Autorité de Contrôle Prudentiel et de Résolution) haben wiederholt auf das Risiko von « Greenwashing » hingewiesen, das mit zu großzügigen sektoralen Klassifizierungen einhergeht.

Auch die makroökonomischen Implikationen verdienen Beachtung. Der europäische Emissionshandel, dessen Zertifikatspreis 2023 die Marke von 100 €/Tonne CO₂ überschritt und sich danach bei rund 70 € stabilisierte, stellt ein wichtiges Preissignal für die gesamte Wirtschaft dar. Seine Ausweitung auf die Luftfahrt – einen Sektor, der für über 3 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich ist – würde mechanisch die Zertifikatnachfrage erhöhen und damit deren Preis. Dies würde die Realzinsstrukturkurven über die Erwartung einer Kohlenstoffinflation beeinflussen, ein Phänomen, das die EZB nunmehr explizit in ihren makroökonomischen Projektionen überwacht.

Für Investoren weist das französische Status-quo-Szenario ein asymmetrisches Risikoprofil auf. Kurzfristig würde es die Margen der Fluggesellschaften stützen und die Erhöhung der Passagierpreise begrenzen. Mittelfristig exponiert es den Sektor jedoch einem brutalen regulatorischen Schock – einseitige Besteuerung, verschärfter CORSIA-Mechanismus oder Maßnahmen der WTO zu Subventionen – in einem Umfeld, in dem die USA und China ihre eigenen Dekarbonisierungstrajektorien beschleunigen. Die französische Position, defensiv in handelspolitischer Hinsicht, könnte sich daher als finanziell kostspielig erweisen, sollte sie die strukturelle Transition des Sektors verzögern.

Die endgültige Entscheidung liegt beim EU-Rat und dem Europäischen Parlament, mit einer erwarteten Schlichtung im Herbst. Die Märkte haben bereits eine signifikante Wahrscheinlichkeit für einen Kompromiss eingepreist: Beibehaltung der kostenlosen Zertifikate bis 2026, dann beschleunigte Degressivität, gekoppelt mit einem grenzüberschreitenden CO₂-Ausgleichsmechanismus (CBAM), der auf Luftverkehrsdienstleistungen ausgeweitet wird. Dieser mittlere Weg, kostspielig für die Emittenten aber planbar für die Investoren, bleibt das Basisszenario der Analysten.